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Theaterperformance vom Fr. 22.Juli 2011 - So. 24. Juli 2011
Ein Erfahrungsbericht eines Zuschauers :
"Das Leben, ein Traum oder Ein Kafka-Erlebnis
Stell dir vor, du hast eine Theaterkarte reserviert, kommst extra etwas
frühzeitig, um vorher noch was zu trinken und – du bist dir da ganz
sicher, dass die üblichen Freunde auch da sein werden – noch etwas
zu quatschen, freust dich also auf das, was da kommen mag, trittst frohgemut
ein und: das Theater gibt es nicht mehr. Stattdessen irren fünf junge, dir
völlig unbekannte Studenten durch absolut leer geräumte Räume,
die du im ersten Moment gar nicht mehr wiedererkennst, und palavern über
deren mögliche Nutzung.
Auf
deine, ich muss zugeben, leicht verwirrte Frage, was sie hier eigentlich zu
suchen haben, schauen sie dich an, als ob du vom anderen Stern wärst:
natürlich auf der Suche nach einer Wohnung. Diese hier würde doch im
Netz zur Vermietung angeboten. Für gänzlich unzurechnungsfähig
halten sie dich nach deiner unbedachten Äußerung, du habest doch
eine Theaterkarte und wolltest hier und jetzt ein Theaterstück sehen. Fast
mitleidig wenden sie sich ab und wieder den Räumen zu, messen aus, machen
ein paar Fotos und wollen absolut nicht an deine Theaterversion glauben.
Vielmehr halten sie dich ebenfalls für einen Wohnungssuchenden, der sich
jedoch nach ihrem Geschmack, das merkst du, für allzu übertrieben
witzig hält. Um nun aber diesem unpassenden Witz, der ihnen so langsam gar
nicht mehr witzig erscheint, endgültig ein Ende zu machen, hält dir
einer von ihnen sein i-pod mit der Wohnungsanzeige
im
Internet vor die Nase, in der Gewissheit, dass dieser Irre doch wenigstens
nicht an der Wahrheit elektronischer Medien zweifeln und endlich Ruhe geben
wird. Hilft nichts. Jetzt deutlich skeptische Blicke, sie treten aus kluger
Vorsicht ein paar Schritte zurück und ihr verstohlenes Lachen
untereinander wird dir mehr als peinlich. Dennoch bleiben sie freundlich und
geben dir den Hinweis, dass, wenn ich Interesse an der Wohnung hätte, ich
doch eines dieser Formulare für den Vermieter ausfüllen könnte.
Inzwischen ist es kurz vor acht Uhr und du bist der einzige, der an diesem
Abend in dieses Theater wollte? Du gehst vor die Türe, niemand, wirklich
niemand sonst steht da. Stattdessen erscheint ein junges Pärchen, sie weit
schwanger mit vorgeschobenem Bauch, wo denn die Wohnung zu besichtigen sei?
Fast mechanisch übernimmst du die Rolle, an die du doch gar nicht glaubst:
da hinein und dann rechts, Zettel lägen da, der Vermieter sei im Moment
nicht da. Du schließt dich ihnen an, gehst noch einmal durch die
Räume, die dir doch so vertraut waren, übernimmst ihren suchenden
Blick und fragst dich, was so ein Pärchen denn verdammt noch mal mit
solchen Räumen anfangen will. Nun versuchst du die Offensive – nur
nicht aufgeben – und wendest dich dem freundlichen i-pod-Jünger zu:
Also gut, er spiele seine Studenten-Rolle wirklich glaubwürdig, alle
Achtung, fast hätte ich ihm geglaubt, aber als Schauspieler hättest
du ihn und die anderen hier noch nie gesehen, ob sie neu im Theaterkurs seien.
Bevor es zum Eklat kommen kann, erscheint nun endlich ein bekanntes Gesicht:
den hattest du ja noch vor zwei Wochen hier in „Schichtwechsel“ als
Schauspieler gesehen.
Aber ach,
längst bist du von dieser Unwirklichkeit, ohne es zu merken, infiziert.
Eher heftig, als ob er ein Störenfried sei, machst du ihn an, was er denn
hier wolle! Endlich jemand, der dich aus deiner bisherigen Zwangsrolle des
Unwissenden befreit und der jetzt diese Rolle bitte schön zu
übernehmen hat. Du freust dich regelrecht auf seine Reaktion des
Überraschten. Mal sehen, wie lange der das aushält. Cool. Der geht
einfach rein, lässt sich Zeit, kommt wieder raus, grinst: Du gehörst
doch sicher mit zur Inszenierung! sagt der zu mir. Okay. Wir gehören alle
zur Inszenierung – nur wo sind denn die Zuschauer? Schon alle
entführt, abgefangen – in Oslo ist ja auch die Hölle los, warum
nicht hier ein verschlucktes Theater samt Zuschauer! Warum hat man eigentlich
ein handy, fällt dir erstaunlicherweise erst jetzt ein. Patrick, nichts.
Steffi, nichts. Lars – na, ja, der spielt doch heute Abend Theater, aber
wo? - also Lars, nichts. Der andere, der einzige andere, hat auch sein
handy gezückt: nichts. Hier nichts, an beiden handys nichts. Du
fängst an zu zweifeln. Datum! Unsinn, was soll das Datum, wenn nicht
einmal mehr das Theaterfabrik-Schild da ist. Du gehst ein paar Schritte die
Straße lang, kehrst entschlossen um, als ob du aus einem Traum erwachen
müsstest. Als ob du nach einem Jahr zurück kämst – und die
Welt ist eine andere geworden. Zu zweit geht ihr jetzt zum letzten Mal durch
diese dunklen, spärlich beleuchteten Räume: am äußersten
Ende ein Zettelchen: Nur nicht die Hoffnung aufgeben oder so ähnlich,
absurd. Eine neue Wand fällt auf: ist etwa dahinter die Welt, die du
suchst? Die Räume, so kahl und fremd, machen traurig. Bis zum
nächsten Theaterabend, sagt der andere, hoffentlich, sagst du und glaubst
nicht daran. Immer noch kein weiterer Zuschauer. Ein Blick noch hoch zu Steffis
geöffnetem Fenster. Ob sie da oben alle geknebelt sind? Schauder im
Rücken eilst du deinem Auto entgegen und hast tatsächlich den
Gedanken: ob das noch da ist?
Ein Theaterabend hoffentlich – oder doch nicht?? Auf jeden Fall unvergesslich!!"